Alles im Massstab 1:87 ?


Meinung des Homepagebetreibers

Märklin baut(e) ihre Modelle verkürzt etwa im Massstab 1:100. Das heisst Märklin achtet darauf, dass ihre Wagenmodelle vorallem noch den kleinsten Bogen (Industriegleis ausgenommen) befahren konnten. Roco hat ihre langen Wagen auch weniger lang hergestellt. Massstäbliche Wagen sind bei Roco mit "(Ausführung) 1:87" angeschrieben. Sie haben Ihre Modelle den Wohnverhältnissen der Modelleisenbahnern angepasst. In neuester Zeit wird darauf geachtet, dass der Massstab bei den Modellen, ausser den Spurkränzen, eingehalten wird. Das trifft für die Normal-Spurweite in der Nenngrösse H0 zu.

Der Spurkranz der Fahrzeuge müsste massstäblich ca. 0.35 mm sein. Mit solchen Spurkränzen ist nur ein sicherer Betrieb möglich, wenn die Gleise mit grösster Präzision verlegt sind.

 

Zum Gleisbau: manche Hersteller halten den Massstab ordentlich ein. Das Profil müsste genau genommen winzig weniger als 2 mm hoch sein. 2.1mm ist ein guter Kompromiss. Die älteren Gleissysteme haben noch 2.5mm Profilhöhe.

Das Problem wird sich aber beim Radius stellen.

Besitzt man z.B. einen deutschen Hochgeschwindigkeitszug von Märklin, so müsste der kleinste Radius ca. 3.50 m sein. Fährt man RhB-Modelle so wäre hier der Radius bei ca. 65 cm, wohlverstanden der kleinste Radius. Man kann sich selbst weiter ausmalen, wie gross Weichen würden. Die meisten verbauten langen Weichen entsprechen in Wirklichkeit der kleinsten verwendeten Weiche.

Fahrleitungen sind praktisch kaum massstäblich zu bauen. 

Damit die verschiedenen Modellbahn-Hersteller einen Rahmen (sprich den kleinsten gemeinsamen Nenner) haben, sind die NEM-Normen geschaffen worden. Ein für uns wichtige Normierung.

 

Nun denn, wie steht es mit den Häuser, die die Industrie liefert? Sie sind meisst im Massstab rund 1:100 nachempfunden.

 

Bei der Gestaltung der Landschaft hingegen, da ist der Massstab kaum einzuhalten.

Nehmen wir die Baumgrösse. Eine Buche kann 40 m, eine Birke 30 m, eine Pappel bis 45 m, eine Fichte sogar 60 m, eine Lärche 50 m, eine Weisstanne 55 m in die Höhe wachsen. Rechen wir 87 mal kleiner, so werden diese Bäume ca. 30 bis 50 cm gross. Sträucher werden auf der Anlage ca. 5 bis 10 cm gross.

Gras, dass auf Anlagen zu Hauf verwendet wird, grossgewachsen vor dem Heuen ca. 40 cm, müsste ca. 4,5 mm hoch sein. Dies ist noch möglich, gibt es doch schon ab 2 mm Kunstgras.

Bis dahin wäre alles noch einigermassen machbar.

 

Aber die Landschaft durch die der 1:87-Zug fahren soll? Sagen wir einmal eine Strecke, die nachzubauen man gewillt ist, führe von Luzern Verkehrshaus nach Meggen. Diese Strecke ist ca. 5 km lang, rechnen wir durch 87 ergibt ca. 60 m. Das wäre machbar mit ca. 40 Modulen. Die Bahnhöfe nicht eingerechnet, diese müssten, um ein Kreuzen mit kleinen Zügen zu ermöglichen noch mindestens 150 cm lang sein.  Schmalspur? Der RhB-Bahnhof in Scuol würde 580 cm lang, der kleinere in Ardez immerhin noch rund 400 cm.

Zuhause kann eine solche Anlage kaum aufgestellt werden. Darum entstanden Modulbaugruppen, die dann in Ausstellungshallen ihre Module zusammen bauen.

Beispiele:

http://igm-wachau.amon.cc/index.htm

http://www.schmalspur-modell.at/viewtopic.php?t=11342

 

Aber dennoch .... es bleibt halt bei Strecken und nur rudimentären Landschaften, der Tiefe der Module wegen.

 

Noch ein Beispiel

 

 

 

Noch 1999 auf der Landeskarte eingezeichnet sind die hier gut sichtbaren die Eisenbahnlinien im Raum Basel.

Heute besteht nur noch die nördlichste Schlaufe. Die zweite Schlaufe ist gekappt, aber das Trasse(e) ist immer noch sichtbar.

 

Das wäre doch ein tolles Modelleisenbahnthema.

Ein grosser Bahnhof, fünf Strecken und ein Industrieanschluss.

 

Der Kartenausschnitt zeigt ein 5000 m x 5400 m grosses Gebiet.

Wollen wir dieses Gebiet im Massstab 1:87 realisieren, so benötigen wir rund 57 m x 62 m.

Der Radius beträgt rund 3 m.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Palmrainbahn (Weil - Saint-Louis) Sehr lesenswerter Artikel im Eisenbahn Amateur 10.2016

von Christian Ammann

Dieser Artikel im EA war Anreiz für obiges Thema im Eisenbahn Amateur Januar 2017

 

Unser Hobby soll vorallem Spass machen. Leben und leben lassen jeder nach seinem Bedürfnis nach Massstab.

Nicht desto trotz: Hat das nicht zu einer massiven Teuerung von unserem Hobby geführt? Fehlt nicht der Nachwuchs, weil der Purist (im übertragenen Sinn) sein teures Spielzeug nicht den Kindern in die Hände geben will?

 

 

 Hier noch ein Link auf einen lesenswerten Beitrag über die Massstäblichkeit.