Brief an diejenigen jungen Leute, die gerne eine Modelleisenbahn bauen möchten.

 

Ich finde es toll, dass Junge sich mit diesem Thema befassen. Denn nebst dem handwerklichen Können, kann bei diesem Hobby auch die Kreativität voll entfaltet werden. Diese beiden Fähigkeiten fördern in hohem Masse die Intelligenz. Ich weiss um die gegenwärtige Strömung, alles im Kopf geschehen zu lassen, man vergisst aber dabei, dass Begreifen von Greifen kommt, nicht umsonst steht "Berühren verboten", weil vieles eben auch begriffen werden will.

 

Wenn es ums Bauen geht, habe ich Verständnis, wenn auf einer Anlage mit 2x3 Metern ein grosser mindestens viergleisiger Bahnhof platziert werden soll. Eine Bergstrecke mit Tunnels und Brücken solls auch haben, nota bene Gotthard als Vorbild. Ja und ein Schatten muss ja auch vorhanden sein, und es sollen auch mehrere Züge unabhängig auf dieser Anlage fahren können. Nur - es fährt nun alles zusammen endlos im Kreis. Es kommt sicher früher oder später Langeweile auf.

 

Als 17jähriger habe ich auch solche Vorstellungen gehabt und solch eine Anlage gebaut. Ich wollte auch so schnell als möglich Züge, lange Züge fahren lassen. Bergauf bergab in den Bahnhof und wieder bergauf usw. In den engen Radien fuhren denn auch die Züge mehr eckig als rund.

 

Ein Rangierbahnhof muss her, er bringt etwas Abwechslung. In einer Ecke zwischen der Bergstrecke hat es noch Platz. Die Abwechslung könnte die Digitalisierung und mit PC-Steuerung bringen, aber die Langeweile ist jetzt nur automatisch organisiert. Nichts gegen die Digitalisierung: Das Fahrverhalten der Loks ist hervorragend.

 

Beginnt man mit Rangieren, merkt man bald, dass es zwischen den Wagen Kupplungen gibt, nicht nur eine, sondern jede Menge und von der gleichen Sorte ist jede individuell nach deren Herkunft, trotz der Normierung sind diese noch auf verschiedenen Höhen montiert. Es gibt nur ein Kupplungssystem, das einwandfrei funktioniert: die von Kadee, sehr gut, teuer und es sind nicht Kurzkupplungen. Die Digitalisierung brachte den Modellbahnern endlich ein präzises Langsamfahren. Doch mit Rangieren macht es trotzdem Mühe: Für ein Kuppeln braucht es immer noch einen kleinen Stoss, so butterweich gelingt es kaum einer Kupplung, geschweige denn einer Kurzkupplung. Man macht es dann einfacher von Hand.

 

Jedem jungen Mitglied in der Modellbahnergemeinde möchte ich folgende Ratschläge geben:

 

Baue Deine Anlage auf Modulen.

  • Sie sind in einer überschaubaren Zeit zu fertigen,
  • sie sind gestappelt gut zu verstauen,
  • sie sind mobil, gerade bei jungen Leuten vorteilhaft: kein Zügelproblem.
  • Die Module können zu grossen Anlagen zusammengebaut werden.

Plane in aller Bescheidenheit grosszügig.

  • Gleise so wenig wie möglich
  • Der "Umwelt" hingegen grosse Aufmerkamkeit schenken.

Beschränke Dich auf höchstens zwei Epochen.

  • Das zähmt die Kauflust und gibt Mittel frei für Besonderes.
  • Z.B. in der Dampfzeit hat es keine Fahrleitungen.

Wähle eine Nebenbahn

  • Diese hat kleine Bahnhöfe (dennoch immer noch zu gross für Zimmeranlagen).
  • Eine Nebenbahn fährt hin und her und nicht im Kreis.
  • Das Rollmaterial ist überschaubar
  • Die Nebenbahnen habe meist kurze Züge. Ein Gottardo oder ICE mag ja schön sein, aber wenn der Schwanz im Tunnel verschwindet und anderenorts die Schnauze schon wieder hervorlugt, ist das ja nicht gerade eine Augenweide.

Meine Anlage, könnte ich wieder beginnen, würde ich auch auf Modulen bauen.